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Fachdienst Intensivpädagogik

Die Intensivpädagogik bietet eine systemisch-orientierte Entwicklungsbegleitung und Beratung der Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und ihren Kommunikationspartner*innen in problembehafteten Lebensphasen.

In der intensivpädagogischen Arbeit geht es darum, die Probleme, Bedürfnisse und Bewältigungsstrategien der Klient*innen zu erkennen und die Reaktionen und Aktivitäten eines jeden einzelnen Begleiters zu erfassen und zu unterstützen. Der intensivpädagogische „Blick von außen“ ist dafür besonders geeignet.

Welche Entwicklungspotentiale hat der/die Klient*in? Welche Entwicklungsmöglichkeiten? Welche Ressourcen bietet das Umfeld?

Das Ziel sind pädagogische Handlungen, die an die Bedürfnisse der Klient*innen, die Eigenschaften der Kommunikationspartner*in und ihre Ressourcen angepasst sind und dem Klienten eine höhere Lebensqualität ermöglichen.

Die unterschiedlichen Qualifikationen der Mitarbeitenden im  Intensivpädagogik-Team ermöglichen ein breites Spektrum an Hilfeangeboten:

Fachberatung der pädagogischen, therapeutischen und pflegerischen Assistent*innen

In einem intensivpädagogischen Beratungsprozess sollen die pädagogischen Ressourcen der pädagogischen, therapeutischen oder pflegerischen Assistent*innen, aber auch anderer Kommunikationspartner*innen (z.B. Familienangehörige oder gesetzliche Betreuer*innen), erarbeitet und fachlich unterstützt werden. Ziel ist die Entwicklung eines individuell auf die Bedürfnisse des Klienten bezogenen Handelns, um dessen Lebensqualität zu verbessern.

Je nach Themenstellung werden eine oder mehrere Sitzungen vereinbart. In bestimmten Fällen bieten sich zusätzlich auch gezielte Fortbildungen an. Siehe Fortbildungen

Intensivpädagogische Fachberatung kann auch in Gestalt eines Konsils für die Begleitung eines auf einer psychiatrischen Station aufgenommenen Menschen mit Behinderung, der besondere Anforderung an die Mitarbeiter*innen der Station stellt, angefordert werden.

Individuelle Entwicklungsbegleitung

Das Angebot individueller Entwicklungsbegleitung richtet sich an Menschen mit Behinderung mit Wahrnehmungs- und Kommunikationsstörungen, psychischen Auffälligkeiten oder aggressiven Verhaltensweisen und die von ihrem Umfeld als extrem unangepasst, auffällig oder herausfordernd erlebt werden. Entwicklungshemmnisse und  Entwicklungspotentiale der Betroffenen werden aufgedeckt. Die augenblicklichen Ressourcen werden in der Entwicklungsbegleitung unterstützt und gefestigt.

Die  Mitarbeiter*innen des intensivpädagogischen Teams entwickeln in der Zusammenarbeit mit den persönlichen Assistent*innen des Betroffenen die Zielsetzung und praxisnahe Methoden der Umsetzung. Die Umsetzung wird supervisorisch begleitet, um die Nachhaltigkeit zu sichern.

In Einzelfällen können für Klient*innen der Stiftung Alsterdorf auch über einen speziellen Spendenfonds zusätzliche Stunden der persönlichen Assistent*innen oder anderer geeigneter Entwicklungsbegleiter finanziert werden, die intensivpädagogisch angeleitet oder supervidiert werden.

Heilpädagogische Krisenintervention (HPK)

Die Heilpädagogische Krisenintervention ist eine gezielte, zeitlich begrenzte Maßnahme intensiver Beobachtung, Begleitung und Beratung. Wenn kein Trägerbudget besteht, wird sie von der Sozialbehörde Hamburg zusätzlich finanziert. Wann eine solche Maßnahme im Sinne eines „besonderen Betreuungsbedarfs“ beantragt werden kann, welche Hilfeleistungen dann erfolgen und wie die Finanzierung geregelt ist, erfahren Sie hier.

Erfassung des Emotionalen Entwicklungsstands mittels SEED (Skala der Emotionalen Entwicklung - Diagnostik)

Menschen mit einer geistigen Behinderung durchlaufen grundsätzlich die gleichen Entwicklungsphasen wie Menschen ohne Behinderungen. Aber: die Entwicklung kann verzögert oder unvollständig ablaufen. Der emotionale Entwicklungsstand kann sich also deutlich vom kognitiven Referenzalter unterscheiden. Die Diskrepanz zwischen emotionaler und kognitiver Entwicklung ergibt ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Problemverhalten und psychischen Störungen.

Die genaue Erfassung des emotionalen Entwicklungsstands ist somit wichtig, um:

  • grundlegenden emotionale Bedürfnisse und Antriebe zu erkennen,
  • Prozesse, die zu einem bestimmten Verhalten führen, zu erklären und zu verstehen,
  • einen angemessenen Umgang damit zu finden,
  • die Persönlichkeitsstruktur zu erkennen,
  • und damit die Weiterentwicklung der Persönlichkeit zu ermöglichen
  • sowie in Förderung und Beruf weder zu überfordern, noch zu unterfordern,
  • das zur Verfügung stehende therapeutische und pädagogische Spektrum anzupassen und zu erweitern.

Unser Angebot ist, diese Diagnostik bei Ihnen vor Ort durch ein*e Mitarbeiter*in des Beratungszentrums Alsterdorf für einen Menschen Ihrer Wohngruppe, Schule, Tagesförderstätte durchzuführen. Die Diagnostik beinhaltet Beobachtungen, Gespräche mit Bezugspersonen, ggf. Interaktion mit der Person, einer schriftlichen Auswertung in Berichtform und einer kurzen mündlichen Auswertung im Team.

De-Eskalationstraining und Aggressionssteuerung

Der Umgang mit Gewalt und Aggression in sozialen Einrichtungen und Diensten (Behindertenhilfe, Jugendhilfe, Psychiatrie, Altenhilfe Seniorenheime) ist immer wieder eine große Herausforderung. Wegschauen, Verschweigen, aber auch Angst und Gedankenlosigkeit kennzeichnen oft die Praxis.

Ziele unserer De-Eskalationsangebote sind:

  • Gewalt begünstigende Konflikt- und Krisensituationen im beruflichen Alltag erkennen
  • eigene Grenzen und Fähigkeiten im Umgang mit Gewalt und Aggression kennen, verbessern und einsetzen
  • Gewalt reduzierende Strukturen und Maßnahmen für die berufliche Praxis planen

Supervision von pädagogischen oder pflegerischen Assistent*innen und Assistenzteam

Supervision ist eine gezielte Einzel- oder Gruppenberatung für Mitarbeitende in psychosozialen Berufen, um Fragen, Problemfelder, Konflikte und Fallbeispiele aus dem beruflichen Alltag zu thematisieren. Supervision bietet Raum für Reflexion, für Entschleunigung sowie für die Antizipation möglicher Handlungsoptionen.

Die Supervision unterstützt bei

  • der Weiterentwicklung der eigenen Professionalität
  • der Bearbeitung und Lösung aktueller Konflikte
  • der Entwicklung von Rollen-, Aufgaben- und Zielklarheit im Arbeitsfeld

Supervision  kann sich thematisch auf den Umgang mit einzelnen Klient*innen beziehen (Fallsupervision) oder auf die Zusammenarbeit im Team (Teamsupervision). In vielen Fällen gehen diese beiden Aspekte ineinander über. Zielsetzung, Häufigkeit und Ort werden von Auftraggeber*in (meist die Teamleitung) mit dem/der Supervisor*in vereinbart. Die Themen im Einzelnen werden meist von den Supervisionsteilnehmer*innen mit dem/der Supervisor*in zusammen festgelegt.

Der Zugang zu Beratungs- und Reflexionsmöglichkeiten stellt eine tragende Säule des betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Prävention dar