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Fachdienst Psychologie

Menschen mit Behinderung wollen und können so leben wie andere Menschen auch: mitten in der Gesellschaft. Das erfordert von ihnen viel Frustrationstoleranz und Veränderungsbereitschaft und von ihren Assistenten und Begleitern Geduld und Einfühlungsvermögen. Psychologische Beratung und Begleitung sind dabei wichtige Hilfen.

Die Mitarbeitenden des Fachdienstes Psychologie des Beratungszentrums Alsterdorf sind einfühlsame Gesprächspartner*innen für die ganz verschiedenen Konfliktlagen oder Gesprächsbedürfnisse. Sie bieten ein breites Spektrum individueller und fachlicher Hilfen für Menschen mit Behinderung, für ihre Assistent*innen, Zugehörigen und gesetzlichen Betreuer*innen an.

 

Beratung oder stützende Gespräche für Menschen mit Behinderung in Konfliktlagen

Psychologische Beratung oder stützende Gespräche bieten sich z.B. an bei

  • Anpassungsproblemen in bestimmten Lebenslagen, wie neuen Arbeits- oder Wohnsituationen
  • Problemen in lebensgeschichtlichen Schwellensituationen, (Übergang von der Pubertät zum Erwachsenenalter, Übergang von der Werkstatt in den Ruhestand)
  • Ablösung vom Elternhaus
  • Konflikten mit Arbeitskollegen, Mitbewohnern oder Familienangehörigen
  • Umgang mit Krankheit und Trauer

In all diesen Fällen besteht meist  keine Indikation für eine Psychotherapie (auf Krankenschein). Eine solche Indikation kann aber bestehen, wenn eine psychische Störung (z.B. Angstzustände, Depression) hinzukommt, die vorher bereits bestand und  jetzt verstärkt wird oder durch die Konflikte wieder ausgelöst wurde.

siehe Psychiatrisch Psychotherapeutische Ambulanz

Entwicklungspsychologisches Gutachten

Verhaltensweisen oder Haltungen von Menschen mit Behinderung sind nicht immer leicht zu verstehen. Oft wissen die Assistent*innen auch einfach nicht genug über einen Menschen mit Behinderung. Das betrifft manchmal Menschen, die schon lange in einem Wohnangebot leben, manchmal aber auch Klient*innen, die neu hinzukommen. Ein entwicklungspsychologisches Gutachten besteht aus

  • einer Aufarbeitung der Biographie (dafür werden bei Bedarf auch Berichte von früher besuchten Einrichtungen hinzugezogen),
  • einer Potentialanalyse mit einer psychologisch erklärenden  Einschätzung der Lebenssituation und der möglichen Konflikte des Betroffenen,
  • sowie Empfehlungen für die Assistenzgestaltung.

Die Befunde des Gutachtens werden durch einen Besuch des Klienten in seinem Wohnumfeld, durch eine systematische Befragung des Umfeldes und Interviews mit wesentlichen Kontaktpersonen erstellt.

Die Einschätzung und Interpretation der Befunde erfolgt auf der Basis psychologischer Erkenntnisse der kognitiven und der sozial-emotionalen Entwicklung.

Fachberatung der pädagogischen Assistent*innen oder der Assistenzteams

Psychologische Fachberatungen beziehen sich auf bestimmte Fragestellungen eines einzelnen Assistenten oder eines Assistenzteams, z.B. bei Fragen zum

  • Umgang mit einem bestimmten Klienten, der verhaltenssauffällig ist oder bei dem Unklarheit oder Unsicherheit  besteht, wie sich die Assistenten verhalten sollen
  • Umgang mit bestimmten Themen, z.B. Sexualität oder Sucht
  • Umgang mit einer bestimmten Situation im Wohnangebot, wie Besuchsregelungen, Angehörigengespräche

Je nach Themenstellung werden eine oder mehrere Sitzungen vereinbart. In bestimmten Fällen bieten sich aber auch gezielte Fortbildungen an.

Siehe Fortbildungen

Supervision von pädagogischen oder pflegerischen Assistent*innen und Assistenzteam

Supervision ist eine gezielte Einzel- oder Gruppenberatung für Mitarbeitende in psychosozialen Berufen,  um Fragen, Problemfelder, Konflikte und Fallbeispiele aus dem beruflichen Alltag zu thematisieren. Supervision bietet Raum für Reflexion, für Entschleunigung sowie für die Antizipation möglicher Handlungsoptionen.

Die Supervision unterstützt bei

  • der Weiterentwicklung der eigenen Professionalität
  • der Bearbeitung und Lösung aktueller Konflikte
  • der Entwicklung von Rollen-, Aufgaben- und Zielklarheit im Arbeitsfeld

Supervision  kann sich thematisch auf den Umgang mit einzelnen Klient*innen beziehen (Fallsupervision) oder auf die Zusammenarbeit im Team (Teamsupervision). In vielen  Fällen gehen diese beiden Aspekte ineinander über. Zielsetzung, Häufigkeit und Ort werden von Auftraggeber*in (meist die Teamleitung) mit dem/der Supervisor*in vereinbart. Die Themen im Einzelnen werden meist von den Supervisionsteilnehmer*innen mit dem/der Supervisor*in zusammen festgelegt.

Der Zugang zu Beratungs- und Reflexionsmöglichkeiten stellt eine tragende Säule des betrieblichen Gesundheitsmanagements und der Prävention dar.

Coaching von Assistent*innen und Leitungskräften

Coaching ist ein gezielter Anleitungs-, Trainings- und Beratungsprozess zur Entwicklung und Umsetzung persönlicher und beruflicher Ziele und der dazu notwendigen sozialen Kompetenzen. Coaching ist deshalb insbesondere für Assistenzkräfte oder Leistungskräfte geeignet, die ihre berufliche Leistung verbessern wollen oder neue Aufgaben bekommen, die sie bewältigen müssen. Die Übergänge zwischen Coaching und Einzelsupervision sind fließend.

Fachberatung von Zugehörigen (Angehörige, Freunde) und gesetzlichen Betreuer*innen

Auch Angehörige und Freunde und gesetzliche Betreuer*innen haben oft den Bedarf, sich zu bestimmten Fragestellungen im Umgang mit einem Klienten oder im Umgang mit einem Assistenzteam oder einer Institution psychologisch fachlich beraten zu lassen.

Je nach Themenstellung werden eine oder mehrere Sitzungen vereinbart. In bestimmten Fällen bieten sich aber auch gezielte Fortbildungen an.

Siehe Fortbildungen

Diagnostik ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen

Wir bieten in unserem Beratungszentrum auch einen Schwerpunkt für die Diagnostik
von Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
und Autismus-Spektrum-Störungen (AAS).

ADHS
In der Vergangenheit wurde ADHS ausschließlich im Kindes – und Jugendalter diskutiert. Heute weiß man, dass die Symptomatik bis in das Erwachsenenalter fortbesteht und bei betroffenen Erwachsenen Einfluss auf Verhalten und Erleben im Alltag hat. Es kann gerade bei Erwachsenen mit ADHS zu Problemen beim Erreichen beruflicher Ziele sowie zu Konflikten in (partnerschaftlichen) Beziehungen kommen. Zudem ist ADHS mit einer Anzahl von anderen psychischen Erkrankungen und Problemen verbunden. Vor diesem Hintergrund kommt es zu komplexen Anforderungen an die Diagnostik des ADHS im Erwachsenenalter.

Ablauf der Diagnostik:

1. Ausführliches Erstgespräch zur umfassenden, strukturierten Erhebung der Anamnese (Vorgeschichte).
2. Erhebung der störungsspezifischen Entwicklungsgeschichte (z.B. Beginn und Verlauf der
    Symptomatik).
3. Ausführliches Gespräch zur aktuellen ADHS-Symptomatik (Art, Häufigkeit, Intensität) in verschiedenen
    Lebensbereichen (Familie, Schule/Arbeit, Freizeitbereich).
4. Erhebung der Familienanamnese, insbesondere mit Anhaltspunkten auf eine ADHS bei Eltern,
    Geschwistern, Kindern.
5. Durchführung der Psychologischen Testung.

Autismus-Spektrum-Störungen (AAS)
Autismus-Spektrum-Störungen werden als tiefgreifende Entwicklungsstörungen verstanden, die sich bereits in der Kindheit zeigen und über das gesamte Leben anhalten. Es kommt dabei zu Auffälligkeiten in der altersentsprechenden Kommunikationsfähigkeit und auch Sprache. Zudem zeigen sich Einschränkungen in der sozialen Interaktion. Man spricht hier oft von begrenzten, sich wiederholenden und stereotypen Verhaltensweisen, Spezialinteressen und Aktivitäten. Der Begriff der Autismus-Spektrum-Störung umfasst Begriffe wie frühkindlicher Autismus, Asperger-Autismus und Atypischer Autismus.

1. Ausführliche Gespräche zur umfassenden, strukturierten Erhebung der Anamnese (Vorgeschichte).
2. Ausführliche Gespräche zur störungsspezifischen Entwicklungsgeschichte mit Fremdanamnese
    (Einbeziehung von Informationen durch die Zugehörigen).
3. Durchführung von Verhaltensbeobachtungen.
4. Durchführung der störungsspezifischen, psychologischen Testung.
5. Ggf. sind in Kooperation mit dem/der Hausarzt*in körperliche oder neurologische Untersuchungen
    erforderlich.

Erfassung des Emotionalen Entwicklungsstands mittels SEED (Skala der Emotionalen Entwicklung - Diagnostik)

Menschen mit einer geistigen Behinderung durchlaufen grundsätzlich die gleichen Entwicklungsphasen wie Menschen ohne Behinderungen. Aber: die Entwicklung kann verzögert oder unvollständig ablaufen. Der emotionale Entwicklungsstand kann sich also deutlich vom kognitiven Referenzalter unterscheiden. Die Diskrepanz zwischen emotionaler und kognitiver Entwicklung ergibt ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Problemverhalten und psychischen Störungen.

Die genaue Erfassung des emotionalen Entwicklungsstands ist somit wichtig, um:

  • grundlegenden emotionale Bedürfnisse und Antriebe zu erkennen,
  • Prozesse, die zu einem bestimmten Verhalten führen, zu erklären und zu verstehen,
  • einen angemessenen Umgang damit zu finden,
  • die Persönlichkeitsstruktur zu erkennen,
  • und damit die Weiterentwicklung der Persönlichkeit zu ermöglichen
  • sowie in Förderung und Beruf weder zu überfordern, noch zu unterfordern,
  • das zur Verfügung stehende therapeutische und pädagogische Spektrum anzupassen und zu erweitern.

Unser Angebot ist, diese Diagnostik bei Ihnen vor Ort durch ein*e Mitarbeiter*in des Beratungszentrums Alsterdorf für einen Menschen Ihrer Wohngruppe, Schule, Tagesförderstätte durchzuführen. Die Diagnostik beinhaltet Beobachtungen, Gespräche mit Bezugspersonen, ggf. Interaktion mit der Person, einer schriftlichen Auswertung in Berichtform und einer kurzen mündlichen Auswertung im Team.