Hauptspalte

Arbeitsprinzipien

Carlos Escalera zum Umgang mit den Arbeitsprinzipien: „Ich möchte, dass wir bei DOKI® nicht selbstgefällig werden. Ich möchte, dass wir uns etwas Unsicherheit bewahren, die uns offen und empfangsbereit für andere macht. Wir werden versuchen, uns und den anderen in der Interaktion zu verstehen. Dieses Verstehen werden wir weiter geben. Dieses Verstehen wird aber nicht als geschlossenes „Wahrheitskonstrukt“ sondern als offenes Prozessbegleitungsinstrument verstanden. Und wir werden weiter zuhören und von dem Anderen lernen.“

 

Verantwortung übernehmen

  • Die Fähigkeit, äußere und innere Strukturen zu verändern, wird als Macht definiert. Die Ausübung dieser Macht erfordert eine hohe Verantwortung. Jeder DOKI® - Anwender setzt sich mit der Wahrnehmung und Annahme dieser Verantwortung auseinander. Da aber ein Missbrauch der Macht bei extremen verletzenden Konfrontationen nie auszuschließen ist, werden bei DOKI® immer die Kontrollmöglichkeiten im System erörtert und etabliert.

Dominanz-Verhältnisse erkennen

  • Im pädagogischen Setting insbesondere, wenn Aggression und Gewalt auftauchen, können Beziehungsstrukturen entstehen, bei denen manche „zu viel“ bestimmen. Was ist „zu viel“? – wenn Menschen in negativer, entwicklungshemmender, einschränkender Art und Weise die Lebenswelt eines Anderen beeinflussen. Es entstehen dann Dominanz-Verhältnisse. Bei DOKI® werden diese Verhältnisse regelmäßig untersucht, damit die Menschen ein Höchstmaß an Einflussmöglichkeiten haben, ohne dass sie damit andere beeinträchtigen.

Innere und die äußere Regulation

  • Verletzende Konfrontationen bringen einerseits soziale Strukturen aus dem Gleichgewicht, andererseits wird durch sie auch die innere Balance der betroffenen Menschen gestört.

    Bei DOKI® wird gleichermaßen die Kompetenz, äußere Strukturen nach dem eigenen Willen, den Bedürfnissen und Möglichkeiten zu verändernund die Fähigkeit, das innere Gleichgewicht und die innere Kraft zu erhalten und zu stärken, ermittelt und verbessert. Manchmal kann man die Welt nicht verändern, dann reicht es, wenn wir verhindern, dass die Welt uns negativ beeinflusst.

Freien Willen stärken

  • Jede Auseinandersetzung stellt eine Form von zwischenmenschlichem Austausch dar. In diesem Austausch werden in unterschiedlichen Geschwindigkeiten Entscheidungen getroffen, die meist intuitiv und unbewusst stattfinden. Durch Training kann man diese Entscheidungen bewusster machen. Der Mensch bekommt dadurch die Möglichkeit, seine Gedanken mit Emotionen und physiologischen Veränderungen in Einklang zu bringen. Die Interventionen in Krisensituationen und sogar in körperlichen Auseinandersetzungen werden durch das Training kongruenter und zielgerichteter. Der Mensch reagiert nicht, sondern agiert im Einklang mit seinem freien Willen, mit seinen Bedürfnissen und den jeweiligen inneren und äußeren Umständen. Je nach Situation wird der Krisenmanager den Umständen entsprechend eigene Entscheidungen treffen. Er tut, was er unter diesen Bedingungen will, nicht nur was er muss oder soll.

Reduzierung von Verletzungen, Selbstschutz und Fremdschutz

  • Gewalt und Leid gehen immer zusammen. Ihnen zu begegnen, ist verstörend. Nicht nur das, was die anderen tun, kann uns stören oder sogar verletzen, sondern auch das, was wir selbst tun (oder nicht tun), kann uns verletzen. Wir können durch Äußerungen oder Handlungen geliebte Personen verletzen und verlieren oder uns selbst enttäuschen. Es ist unmöglich, in einer Eskalation der negativen Emotionen immer so zu handeln, dass wir uns selbst „gefallen" und dass wir den Anderen auf kluge, freundliche Weise neue Wege zeigen. Unerschütterliche Freundlichkeit kann Feindseligkeit entkräften und deeskalieren. Aber auch durch eine gezielte Demonstration der eigenen Wehrhaftigkeit können wir verhindern, dass es zu einer weiteren Eskalation kommt. Bei DOKI® erwarten wir „Begleiter" von uns selbst, es immer zu schaffen, Verletzungen zu verhindern oder zu reduzieren. Uns ist dabei bewusst, dass wir aber zu Verletzungen durch unsere Entscheidungen und Handlungen beitragen können. Oft wird eine Priorisierung  vonnöten sein: sich selbst schützen, unbeteiligte gefährdete Personen schützen oder die verletzend agierende Person schützen. Der Schutz des Einen kann die Gefährdung des Anderen bedeuten. In diesem Spannungsfeld arbeitet DOKI® mit individuellen situativen Entscheidungen. Die Verhältnisse geben uns, wie beim Strafgesetz, die Richtung vor, den Weg müssen wir selbst bestreiten. Auch die Verantwortung dafür tragen wir selbst.

Bindung und Individualität

  • Im Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis nach Bindung einerseits und nach Individualität andererseits entstehen viele Konflikte, die sich in problematischen verletzenden Verhaltensweisen äußern können. Die Menschen werden zum Teil einsam, weil sie nicht in der Lage sind, Formen der Zugehörigkeit zu pflegen, die ihre Bedürfnisse nach Zweisamkeit befriedigen. Sie erleben die Bindung als Gefahr der eigenen Autonomie, der eigenen Macht. Ein Leben ohne Rücksicht auf andere kann sich freier anfühlen. Man wird nur leider dadurch Gefangener seines Selbst, Gefangener des eigenen Egos werden. Wie viel "ICH WILL" und wie viel "DU WILLST" soll in die Beziehung hineinfließen, damit möglichst alle Beteiligten Gerechtigkeit und Harmonie empfinden? Bei DOKI® haben wir keine einzig wahre Antwort auf diese Frage. Wir suchen bei jedem Klienten, je nach Lebenssituation, nach den passenden Antworten.

Wendepunkte erkennen

  • In Eskalations- und Deeskalationsprozessen gibt es Momente, in denen ein Mensch deutlich die Möglichkeit einer neuen Entscheidung erkennen und somit den weiteren Verlauf der Konfrontation beeinflussen kann. Ein Mensch kann zum Beispiel gerade beschlossen haben, eine Person zu schlagen und die Handlung bereits initiiert haben. Reagiert die bedrohte Person in einer bestimmten Art, kann er plötzlich eine neue Entscheidung treffen, zum Beispiel die Flucht ergreifen. Diese Momente/Entscheidungen hängen von den Wechselwirkungen zwischen physiologischen, kognitiven und emotionalen Veränderungen ab. Es entstehen „günstige Konstellationen“ in Bezug auf die Emotionen, Informationsverarbeitungsformen und körperlichen Zustände. Diese Momente werden Wendepunkte genannt. In dem Training werden diese Punkte individuell untersucht und die alternativen Entscheidungen und Aktionen überprüft. Sprechform, Körperposition und Bewegung, Raumgestaltung und Zeitverwaltung werden so verändert, dass der Mensch immer wieder die Möglichkeit bekommt, verletzende Handlungen durch andere Handlungen zu ersetzen.

Flucht zulassen

  • Bei destruktiven Auseinandersetzungen haben die Menschen unterschiedliche Neigungen. Diese können in drei Kategorien unterteilt werden: Angriff, Starre und Flucht. Bei DOKI® wird immer darauf geachtet, dass die Kontrahenten eine Fluchtmöglichkeit haben. Die Flucht ist eine der wichtigsten Strategien, um auf destruktive Handlungen zu reagieren. Hierfür wird an Annährungs- und körperbezogenen Kommunikationsformen und an Ausweich- und Befreiungstechniken gearbeitet.

Selbstsorge

  • Nur wer sich sicher fühlt, kann anderen Sicherheit vermitteln. Das Gefühl der Sicherheit kommt aus dem Verstand, aus der emotionalen Klarheit und aus der körperlichen Unversehrtheit. DOKI® orientiert sich bei dieser Selbstsorge an anderen „Berufsgruppen" in der Gesellschaft:

    Feuerwehr: Zuerst werden die Feuerwehrleute sich die passende Schutzausrüstung anziehen und gegebenenfalls die Statik des Hauses überprüfen, bevor sie sich in ein brennendes Haus begeben.

    Rettungsschwimmer: er wird sich im Wasser so sicher, wie an Land fühlen. Er wird tausende von Malen die Griffe und die Bewegungen üben, bevor er ins Wasser springt, um eine Person zu retten.

    Seelsorger; er wird dem Trauernden den Verlust nicht wegnehmen können oder wollen. Er wird  an seiner Seite sein, um mit ihm die Situation zu überstehen.

    Rettungsdienstsanitäter: er kann nicht sofort die Schmerzen beseitigen oder das „Zerstörte" wieder heilen. Aber er kann den Zustand stabilisieren, den Schmerz lindern, die nächsten Schritte erklären.

    Ähnlich wird der DOKI® – Dienstleister zuerst seine eigene Sicherheit überprüfen, Handlungen trainieren, Leid mit der Person aushalten und zusammen mit ihr die nächsten Schritte klären, damit Linderung eintritt und sich neue Wege eröffnen.

Weichheit und Härte

  • Die Entwicklungsfreundlichkeit entsteht nicht immer, wenn wir uns dem anderen „weich" annähern, wenn wir ihm „alle" Entscheidungsmöglichkeiten geben, wenn wir uns immer leise, lieb und sanft verhalten. Je nach Konflikt, je nach Interaktionsmuster kann einerseits eine Botschaft der bedingungslosen Annahme „ICH mag DICH", wie aber auch eine Botschaft der Begrenzung „ICH werde es nicht zulassen“ und „ICH beschränke DICH" den notwendigen Reiz darstellen, die den Menschen aus der Stagnation heraus „schubst". Eine tiefe laute harte Stimme kann die Grenzüberschreitung bremsen. Eine sanfte mitfühlende Stimme kann die negative Emotionalisierung verhindern und den Weg aus dem Kampf zeigen. Beide Vorgehensweisen haben ihre Zeit. Beide können wirksam und entwicklungsfreundlich sein.

Offen sein

  • Selbstsichere Menschen können anderen Menschen Sicherheit geben. Aber genauso können sie andere Menschen ignorieren, missachten. Sie glauben, so viel zu verstehen, dass sie nichts verstehen. Sie sind geschlossene Systeme geworden. Wenn man glaubt, eine perfekte Methode, ein perfektes Konzept entdeckt zu haben, was einem erlaubt, sämtliche Situationen sicher zu meistern, dann kann man selbstgefällig werden. Selbstüberzeugung und Arroganz können uns daran hindern, den Moment in seiner Andersartigkeit, den Menschen in seiner Einzigartigkeit zu erfassen.