Hauptspalte

Leitgedanken

Gewalt kann jeden beeinträchtigen, verändern und sogar gewalttätig werden lassen. DOKI® lehrt: sich zu schützen, Gewalt zu verstehen und intervenieren, ohne zu verletzen. Leitgedanken dazu sind:

 

Sicherheit geben

  • Gewalt ermöglicht es einer Person oder einer Gruppe von Personen, die Umwelt nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Gewalt stellt aber auch eine existentielle Gefahr für alle Menschen dar, die der Gewalt ausgesetzt sind. Nur wenn wir unsere eigene Sicherheit bewahren, können wir die Gewalt der anderen aushalten, ohne selbst gewalttätig zu werden. Nur durch die Verstärkung der Sicherheit für alle Menschen werden die Bedingungen der Entstehung und der Erhaltung der Gewalt verringert.

    Bei Aggression oder Gewalt versuchen wir bei DOKI® als erstes die Vulnerabilität (Verletzlichkeit), die Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) und die Problembewältigungsfähigkeit sowohl der aggressiv Agierenden, wie auch der BegleiterInnen zu erfassen. Die ersten Interventionen sollen dazu dienen, die innere Kraft der Beteiligten zu stärken. Die Strategien werden den eigenen Fähigkeiten angepasst. Was nützt es uns, über agogische Interventionen bei Menschen mit verletzendem Verhalten zu diskutieren, wenn wir uns gegenseitig kaum aushalten, weil wir uns gegenseitig zu bedrohlich sind.

    "Ich kann dich aushalten“ als Voraussetzung für "Ich kann dir Halt geben."

Verstehen lernen

  • Menschen können einander helfen und einander gefährden. Durch diese soziale Neigung entstehen komplexe Wechselbeziehungen, die Krisen und Eskalationen verursachen. Eine Krise entsteht, wenn der Mensch seine aktuellen Bedürfnisse nicht mit seinen momentanen Ressourcen befriedigen kann. Eskalation dient der individuellen Konfliktbewältigung und kann sowohl den Dialog zerstören wie in neue entwicklungsfreundlichere Dimensionen bringen. Das Verstehen der Individualität der Krisen, der Eskalationen und das Verstehen der Wechselbeziehungen im Alltag ermöglichen uns, Zäsuren, Wendepunkte in der Gegenwart zu erkennen und angemessen zu begleiten. Die Begleitung des Klienten ist gebunden an die Begleitung der eigenen Entwicklung. Aggression und Gewalt verändert alle Menschen. Das ICH des Begleiters und das DU des Klienten werden gleichermaßen angenommen und gepflegt.

Nicht verletzend intervenieren

  • es gibt zwei Interventionsformen bei DOKI®:

    1. Die Kriseninterventionen, die auf die Sicherheit ausgerichtet sind. Dazu zählen die körperlich bewegungseinschränkenden Haltetechniken.

    2. Die entwicklungsorientierten systemischen oder dialogischen Interventionen, die sich nach dem Verstehen richten und die Entwicklungszonen als Orientierungshilfe nutzen. Mit Entwicklungszonen sind hier Erfahrungsräume und Interaktionspotentiale gemeint, die dem Klienten neue Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

    In beiden Fällen werden die „Bausteine“ der  Entwicklung und die „Bausteine“ des aktuellen Verhaltens des Klienten erfasst. Die Interventionen zielen darauf ab, ihm die Notwendigkeit der Veränderung spürbar zu machen und ihm die Möglichkeit der Reorganisation zu geben. Bausteine können sein: Erfahrungen, Bewertungen, Denk- und Gefühlsstrukturen, sensorische Empfangs- und Verarbeitungsformen, Bindungsgewohnheiten, Bedürfnisse, Willensäußerungen und die Diskrepanzen zwischen den beiden.

Aufrichtigkeit

  • Wer mit gewalttätigen Menschen arbeitet, kann selbst gewalttätig werden. Um diese Gefahr gering zu halten, müssen die Professionellen ständig ihre innere Kongruenz überprüfen. Annahmebereitschaft des Anderen und grundsätzliche Friedfertigkeit können im Inneren abnehmen. Man versucht dann, ein Bild von sich abzugeben, welches nicht mit den inneren Regungen und Grundneigungen übereinstimmt. Wird diese Diskrepanz deutlich, öffnet dies die Türen für die Entwicklung entwicklungsfreundlicher Begleitung.

Transparenz

  • Kein Mensch kann ständig seine Impulse und Handlungen in Übereinstimmung mit seinen Idealen halten. Schnell schleichen sich Elemente in den Dialog, die entwicklungshemmend sein können. Im agogischen System können wir zusätzliche Reflektionsebenen einbauen, die eine Optimierung der agogischen Interventionen ermöglicht. Dies ist aber nur möglich, wenn wir unsere Arbeit transparent gestalten und verhindern, dass unsere  Haltungen und Wertungen nicht offengelegt werden.

Interprofessionelle Kontrolle

  • Aufrichtigkeit und Transparenz können als Garanten einer Menschen würdigenden, entwicklungsfreundlichen agogischen Arbeit gelten. Sie sind aber nicht genug. Wir Pädagogen, Psychologen, Psychiater, Erzieher, Lehrer, haben immer wieder bewiesen, dass wir unsere Macht aus Überzeugung oder Unwissen missbrauchen können. Wir müssen uns gegenseitig kontrollieren. Die Kontrollelemente müssen transparent und explizit ins System eingebaut werden.